Regaine für Frauen/Männer tatsächlich wirksam bei Haarausfall?

Mehr als 60% der Männer und über 25% der Frauen werden früher oder später davon betroffen sein. Mit zunehmendem Alter werden dessen Spuren immer offensichtlicher. Die Rede ist von anlagebedingtem Haarausfall. Von dieser Form sind ungefähr 90% aller an Haarausfall leidenden Menschen betroffen. Charakteristisch für den anlagebedingten Haarausfall ist der zurückweichende Haaransatz, obendrein lichtet sich das Haar auf dem oberen Hinterkopf ("Hupschrauberlandeplatz"). Bei Frauen offenbart sich der anlagebedingte Haarausfall überwiegend durch dünner werdendes Haar im Scheitelbereich.

Da in unserm Kulturkreis dichtes und volles Haar aber mit Gesundheit, Jugend, Attraktivität assoziiert wird, versuchen viele dem vorzeiten Haarausfall entgegenzuwirken. Aber welche Option schafft wirklich Abhilfe? Am einfachsten ist natürlich die Anwendung sogenannter Haarwuchsmittel. Am bekanntesten sind mit Sicherheit Finasterid und Regaine. Über letzteres gibt es sowohl im Internet als auch im Fernsehen zahlreiche Berichte hinsichtlich der Wirksamkeit. Was aber ist von diesen Beiträgen zu halten? Bilden sie die Realität ab, oder dienen sie ausschließlich der Steigerung des Umsatzes des Herstellers? Auf diese und weitere Fragen wird nun genauer eingegangen.

Wirkstoff von Regaine

Die haarwuchsfördernde Wirkung von Regaine beruht auf dem Wirkstoff Minoxidil. Diese pharmazeutische Substanz war zuallererst nur für die Behandlung von Bluthochdruck zugelassen. Im Zuge der Behandlung kam es aber bei den Anwendern überraschenderweise zu verstärktem Haarwuchs. Aufgrund dieser Nebenwirkung geriet der Wirkstoff in das Blickfeld der Haarforschung. Dann im Jahr 1988 wurde Minoxidil erstmals zur lokalen Behandlung des Haarausfalls zugelassen. Nun, etliche Jahre später, hat sich der Wirkstoff als wirksames Haarwuchsmittel etabliert und gilt neben Finasterid als erfolgversprechendste Behandlungsoption. Geschuldet ist das aber nicht nur den zahlreichen positiven Erfahrungsberichten, sondern auch einer groß angelegten Studie. Diese Untersuchung ergab, dass sich bei 70-80% der Haarausfall stoppen lässt. Außerdem dürfen sich bis zu 30% der Anwender auf verstärkten Haarwuchs freuen. Nichtsdestotrotz sollte die Erwartungshaltung nicht zu hoch sein, denn bei schon zu stark fortgeschrittenem Haarausfall lässt sich meist kein zufriedenstellendes Ergebnis erzielen. Deshalb gilt das Credo, je früher die Behandlung beginn, desto besser die Aussichten.

Wirkungsmechanismus von Regaine

Obwohl der genaue Wirkungsmechanismus noch im Dunkeln liegt, gibt es doch einige interessante Erklärungsversuche. Allgemein bekannt ist ja die durchblutungsfördernde Eigenschaft von Minoxidil. Diese Wirkung dürfte keinen unerheblichen Anteil daran haben, dass sich das Haarwachstum merklich verbessert. Denn beim anlagebedingten Haarausfall kommt es aufgrund einer Schrumpfung der dermalen Papille und des Haarbulbus zu einer Unterversorgung mit wichtigen Nährstoffen. Folge hievon ist nicht nur eine Schrumpfung der Haarfollikel, sondern auch eine geringe Zellteilungsrate. Ersteres führt letztendlich dazu, dass die Haarwurzeln nur noch imstand sind, kleine und dünne Haare zu bilden. Genau dem wirkt Regaine entgegen. Dank der gefäßerweiternden Eigenschaft kommt es zu einer Steigerung der Durchblutung der dermalen Papille. Infolgedessen verbessert sich die Nährstoffversorgung. Obendrein stimuliert Minoxidil die DNA- Synthese in den Haarfollikelzellen. Aus diesen Gründen steigt die niedrige Zellteilungsrate wieder an, außerdem werden die Haarfollikel revitalisiert, woraufhin sich wieder gesunde und kräftige Haare bilden.

Nebenwirkungen

In der Regel wird Regaine gut vertragen. Nur selten (bei ca. 5%) kommt es zu Unverträglichkeitsreaktionen wie Schuppenbildung und Juckreiz. Treten diese Nebenwirkungen aber auf, sind sie hauptsächlich dem enthaltenen Lösemittel zuzuschreiben. Bei empfindlicher Kopfhaut kann es vorübergehen zu lokalen Hautirritationen kommen, insbesondere wenn die Lösung stark eingerieben wird. Außerdem gibt es Berichte über verstärkten Haarwuchs auf der Stirn, was überwiegend dunkle südeuropäerinnen betrifft und glücklicherweise nur selten auftritt. Da bei der lokalen Anwendung nur ein minimaler Anteil des Wirkstoffes in den Körper gelangt, sind mit systemischen Nebenwirkungen nicht zu rechnen. Jedoch kann bei unsachgemäßer Anwendung bzw. Überdosierung eine Beeinflussung des Herz- Kreislaufsystems nicht ausgeschlossen werden. 

Was ist shedding

Als shedding wird ein zeitlich begrenztes Phänomen bezeichnet, das in der Regel mehrere Wochen nach Behandlungsbeginn auftritt und sich durch vermehrten Haarverlust bemerkbar macht. Von diesem Phänomen sind ca 1/3 der Anwender betroffen. Der vermehrte Haarausfall mag zwar erschreckten klingen, deutet aber auf ein besonders gutes Ansprechen auf die Behandlung hin. Selbstverständlich ist das Ausbleiben dieses Phänomens kein Zeichen für die Unwirksamkeit der Behandlung.

Um zu verstehen, warum es überhaupt zu verstärktem Haarverlust kommt, bedarf es einen kurzen Blick auf die Funktionsweiße der Haarfollikel. Normalerweiße durchläuft jeder Haarfollikel mehrmals im Leben einen dreiphasigen Zyklus, wobei es im letzten Stadium zum Herauslösen des schon locker sitzenden Haares kommt. Dass unser Haupt durchgehend mit Haaren bedeckt ist, ist dem Umstand geschuldet, dass jeder Haarfollikel seinen eigenen Rhythmus hat und deshalb niemals alle Haare gleichzeitig ausfallen - außer bei gewissen Formen von Haarausfall.

Durch die Anwendung von Regaine kann es aber zur Synchronisation von Haarfollikel kommen. So treten viele Haarfollikel gleichzeitig in die Wachstumsphase ein. Die nun schneller als normal und synchron heranwachsende Haare stoßen die alten Haare aus den Follikeln.