Haarausfall

Egal, ob der Verlust der Haare erblich bedingt, infolge einer nährstoffarmen Diät oder ein Symptom einer Erkrankung ist: Haarausfall stellt unabhängig von der Ursache für die Mehrheit eine überaus starke psychische Belastung dar. Insbesondere Frauen haben daran zu knabbern. Aber auch beim männlichen Geschlecht geht mit dem Verlust der Haare ein Verlust des Selbstwertgefühls einher. Bei über 10% gesellen sich zudem noch Symptome wie Kopfhautschmerzen, Juckreiz oder ein Spannungsgefühl hinzu. Erfahren Sie nun mehr über Haarausfall und dessen Behandlungsmöglichkeiten.

 

Mehr als 100 Haare?

Wenn Sie auf Ihrem Boden, Waschbecken oder Bürste zahlreiche Haare auffinden, ist dies noch kein Grund zur Besorgnis, denn Haarausfall ist naturgegeben und jeder Mensch verliert über den Tag verteilt bis zu 100 Kopfhaare. Diese Anzahl ist selbstverständlich nur ein grober Mittelwert und so können Personen mit einem besonders dichten Schopf auch schon mal mehr Haare verlieren, ohne Gefahr zu laufen, lichtes bzw. dünnes Haar zu bekommen. Auch an Tagen, an denen das Kopfhaar gewaschen wird, ist es nicht ungewöhnlich, dass mehr als die „üblichen“ 100 Haare verloren gehen.

 Mögliche Gründe für Haarausfall

  •  Nährstoffmängel infolge von Diäten oder Krankheiten
  • Einnahme von Medikamenten (Retinoide, Säureblocker, Antibiotika, usw.)
  • Autoimmunerkrankung
  • Genetische Veranlagung (anlagebedingter Haarausfall) ➠ häufigste Ursache
  • Übermäßiger Stress
  • Hauterkrankungen und Pilzinfektionen
  • Strahlentherapie bei Krebs
  • Hormonumstellung nach der Schwangerschaft
  • Schwermetallvergiftung
  • Infektionskrankheiten (Scharlach, Grippe, usw.)

In Fachkreisen wird verstärkter Haarausfall auch Effluvium genant. Wie vorhin erwähnt, führt dieser nicht zwangsläufig zu einer sichtbaren Lichtung der Haupthaare bzw. Glatzenbildung. Insbesondere nach der Schwangerschaft oder im Herbst ist Effluvium keine Seltenheit und gilt als unbedenklich. Genau genommen handelt es sich hiebei um telogenes Effluvium. Diese Form tritt mehrere Monate nach der Ursache (z. B. Hormonumstellung, Nährstoffmangel) in Erscheinung und resultiert aus einer Verkürzung der Wachstumsphase, was wiederum eine Abnahme der Anagenrate (Haare im Wachstum) zur Folge hat. In der Regel normalisiert sich der Haarausfall nach der Beseitigung des Auslösers von selbst. Sollte der Haarverlust jedoch länger anhalten, ist eine Abklärung der genauen Ursachen anzuraten.

 

Infolge einer Chemotherapie kommt es nicht selten zu anagen Effluvium. Insbesondere bestimmte Zytostatika unterbrechen oftmals den Haarzyklus in der Wachstumsphase und der Übergang in die mehrere Monate dauernde Telogenphase (Ruhephase) unterbleibt. Dies bedingt den schnell eintretenden Haarverlust. Zwischen dem Behandlungsbeginn und dem darauffolgenden anagen Effluvium vergehen nur wenige Wochen. Niedrige Dosen an Zytostatika führen hingegen zu telogenen Effluvium. Mittels Haarwurzelanalyse lässt sich die Art des Effluviums bestimmten.

Schlechtes Haarwachstum im Alter

Im fortgeschrittenen Alter kommt es nicht nur zur Ergrauung der Haarpracht, auch lässt der Haarwuchs ab dem 30. Lebensjahr nach. Neben der Geschwindigkeit des Haarwachstums nimmt auch der Haardurchmesser ab. Dies erklärt auch dem auffälligen Umstand, weshalb Menschen gehobenen Alters mit langen und vollen Haaren überaus selten anzutreffen sind. Ursache ist eine nachlassende Versorgung der Haarwurzeln mit wichtigen Nährstoffen und Sauerstoff. Eine zufriedenstellende Behandlung erweist sich als schwierig. Allgemein aber ist eine abwechslungsreiche und gesunde Ernährung zuträglich. Zudem ist eine Reduktion des Tabakkonsums bzw. ein vollständiger Verzicht anzuraten.

Starker Haarausfall im Herbst

Bei einigen Menschen kann es vor allem in den Herbst- und Frühlingsmonaten zu verstärktem Haarausfall kommen. Dieses Phänomen dauert meist nur wenige Wochen und ist höchstwahrscheinlich ein evolutionäres Überbleibsel. Am auffälligsten ist diese Veranlagung bei Tieren. So können wir den saisonalen Haarwechsel am besten bei unseren eigenen Haustieren beobachten. Diese hinterlassen speziell in den Herbsmonaten haufenweise Haare auf Möbeln, Teppichen und Kleidungsstücken.

Dass der Mensch einem ähnlich gearteten Phänomen unterliegt, hat die Arbeitsgruppe von Courtois 1996 festgestellt. Ihren Ergebnissen nach liegt der Anteil der Telogenhaare (bald ausfallende Haare) im Herbst am höchsten. Der Grund hierfür dürfte die starke und lange Sonnenbestrahlung in den Sommermonaten sein, die dazu führt, dass immer mehr Haare von der Wachstumsphase in die Ruhephase übergehen und dann im Herbst ausfallen. In welchem Ausmaß dies geschieht, ist aber von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Wenn erwünscht, können Vitalstoffkombinationen (Pantovigar und Priorin) eingesetzt werden.

Androgenetische Alopezie

Anlagebedingter Haarausfall ist die häufigste Form von Haarschwund. Über 60 % der Männer leiden an dieser Form. Sie betrifft aber nicht wie landläufig angenommen nur Männer, sondern auch 20-30 % der Frauen. Die Ursache für das Ausdünnen der Haarpracht liegt in einer genetisch bedingten Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber Dihydrotestosteron (DHT). Alles beginnt mit der Vorstufe Testosteron. Das Hormon gelangen über den Blutkreislauf an die Haarfollikel und wird mithilfe eines Enzyms in Dihydrotestosteron umgewandelt. DHT verkürzt nun bei den überempfindlichen Haarfollikeln die Wachstumsphase und lässt sie sogar verkümmern. Infolgedessen werden die heranwachsenden Haare immer kleiner und dünner. Die androgenetische Alopezie wird vererbt. Sollten also die Eltern schon daran gelitten haben, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass deren Kinder dasselbe Schicksal ereilt.

 

 

hormoneller haarausfall

 

Männliches Muster

Häufig beginnt der Haarausfall beim Mann mit Anfang 20.
Die ersten Anzeichen sind die immer größer werdenden Geheimratsecken.
Im weiteren Verlauf lichten sich die Haare auf dem Hinterkopf. Schlussendlich laufen die Geheimratsecken und lichten Stellen zusammen und bilden eine halb Glatze. Nicht bei allen Männern vollzieht sich der Haarausfall nach diesem Schema. Bei etwa 20 % verläuft er nach weiblichem Muster.

 

 

 

 

 

 

hormoneller haarausfall

 

 

Weibliches Muster

Auch Frauen sind vom anlagebedingten Haarausfall betroffen. Bei ihnen manifestiert sich dieser meist nach dem 40. Lebensjahr. In den Jahren davor schützt der hohe Östrogenspiegel die empfindlichen Haarfollikel. In den 40ern sinkt dann die Produktion des Geschlechtshormons und die genetische Veranlagung kommt zum Tragen. Häufig wird der Haarausfall erst richtig sichtbar in den Wechseljahren. Im Unterschied zum männlichen Muster entstehen beim weiblichen keine Geheimratsecken, vielmehr dünnt das Haar im Scheitelbereich aus. Nebenbei sei noch erwähnt, dass die Haarfollikel nicht so stark verkümmern wie es beim Mann der Fall ist.

 

 

Diffuser Haarausfall

Charakteristisch für diese Form ist die diffuse Ausdünnung der gesamten Haarpracht. Die Haare werden insgesamt dünner und die Kopfhaut scheint im fortgeschrittenen Stadium durch. Die Ursachen sind mannigfaltig.

So führt die Hormonumstellung nach der Geburt oder das Absetzen der Pille zu vorübergehendem Haarverlust, ohne dass dabei aber eine ernsthafte Gefahr einer Haarlichtung besteht. Wohingegen die Einahme von Medikamenten, übermäßiger Stress, schlechte Ernährung, diverse Krankheiten oder ein Funktionsstörungen der Schilddrüse dünner werdendes Haar zur Folge haben kann. In der Regel manifestiert sich der Haarausfall mehrere Monate nach der Ursache. Da der diffuse Haarausfall grundsätzlich reversibel (umkehrbar) ist, recht meist schon die Behebung des Auslösers. Bis der Schopf die alte Haardichte aufweist, vergehen gut 6-12 Monate. Demnach ist Geduld gefragt.

Kreisrunder Haarausfall

Eine weitere Form ist der kreisrunde Haarausfall, auch Alopecia areata genannt. Auffällig sind bei dieser Form die scharf begrenzten kahlen Stellen. Diese erreichen meiste eine Größe von 3-4cm, die dann auch zu einer größeren Fläche zusammenfließen können.

Sonderformen stellen die Alopecia totalis und Alopecia universalis dar. Erstere zeichnet sich durch den Verlust der kompletten Kopfbehaarung aus. Bei der Alopecia Universalis können große Teile der Kopf- und Körperbehaarung verloren gehen.

Einiges deutet darauf hin, dass es sich bei dieser Form um eine Autoimmunerkrankung handelt, bei der die Immunzellen fälschlicherweise das eigene haarbildende System bekämpfen. Die hierdurch entstehende Entzündung hemmt bzw. unterbricht den Stoffwechsel der Matrixzellen, was letztens Haarverlust zur Folge hat.

Oft wachsen die Haare an den kahlen Stellen innerhalb von 6 Monaten wieder von selbst nach. Es besteht aber ein hohes Risiko, dass sie nach einer gewissen Zeit wieder erneut auftreten. Sollte eine Behandlung erwünscht sein, stehen verschiedenste Möglichkeiten zur Verfügung.

Haarwuchsmittel

Sie versprechen Abhilfe, doch nur wenige sind tatsächlich wirksam. Die Rede ist von Haarwuchsmitteln. Zu diesen Produkten wird gegriffen, wenn der Wunsch besteht, dass Haupthaar zu erhalten bzw. die lichten Stellen zu verdichten. Welche Haarwuchsmittel aber diesen Anspruch erfüllen und wie diese wirken, erfahren Sie im folgenden Abschnitt.

 

Da beim hormonellen Haarausfall der Haarbulbus und die dermale Papille zunehmend verkümmern und infolgedessen die Haarwurzel nur noch unzureichend mit Blut und Nährstoffe versorgt werden, können Produkte hilfreich sein, welche die Zufuhr von Vitalstoffen verbessern. Denn erst wenn die Haarwurzeln genügend Nährstoffe erhalten, bilden sich gesunde und kräftige Haare. Momentan gibt es verschiedene Produkte, die das begünstigen. Am effektivsten ist mit Sicherheit Minoxidil (Regaine), dieser Wirkstoff vergrößert erwiesenermaßen die Blutgefäße um die Haarfollikel und steigert damit deren Versorgung mit wichtigen Nährstoffen. Doch nicht nur synthetische Stoffen wird diese Wirkung zugesprochen, auch Pflanzen wie Bockshornklee und Brenneseln steigern den Blutfluss. Ob diese Gewächse aber den Haarausfall letzten Endes stoppen bzw. verzögern, ist bis heute nicht belegt!

 

 

Auf einem anderen Mechanismus beruhend, aber genau so wirksam sind jene Haarwuchsmittel, die die überempfindlichen Haarfollikel „schützen“. Mit zunehmendem Alter reagieren diese immer sensibler auf männliche Geschlechtshormone und beginnen, wie bereits erwähnt, zu schrumpfen. Bei Frauen wird dies oftmals erst in der Menopause sichtbar. Bei Männern dünnt das Kopfhaar oftmals schon ab dem  20. Lebensjahres aus. Erfreulicherweise können wir dieser Entwicklung entgegensteuern. Vor allem der für Männer zugelasseneWirkstoff Finasterid senkt die Konzentration desjenigen Hormons, welches für die Verkümmerung der Haare verantwortlich ist. Frühzeitig angewannt, kann der Wirkstoff den Haarausfall stoppen und die geschwächten Haare stärken. Nicht so effektiv, dafür aber mit weniger Nebenwirkung behaftet, ist die lokale Anwendung von Alfatriadol. Diese Substanz verlangsamt das Fortschreiten des Haarausfalls. Im besten Fall wird dieser sogar über eine längere Zeit gestoppt.

Trockenes/sprödes Haar

Nicht nur Haarausfall stellt für viele ein Problem dar, auch spröde, matte und trockene Haare sind oftmals ein Grund zur Besorgnis. Ursachen für sprödes Haar gibt es viele. Insbesondere das übermäßige Waschen sowie die Anwendung falscher Pflegeprodukte können schädlich sein. Außerdem sind extreme klimatische Bedingungen wie übermäßige Hitze bzw. Kälte der Haargesundheit abträglich. Kommen zusätzlich noch starke Sonnenbestrahlung, Meeresluft, Chlorwasser oder sonstige belastende Umwelteinflüsse hinzu, ist es gar nicht mehr gut um das Haar bestellt. Abhilfe können unter anderem Conditioner und Haaröle (Kokosöl) schaffen. Diese Produkte wurden dahingehend konzipiert, dass Haupthaar mit allem Nötigen zu versorgen. Vor allem Haaröle führen dem Haar wichtige Fette zu, was besonders Langhaarigen zugutekommt, da deren eigene Talgproduktion meist nicht mehr ausreicht. Zusätzlich enthalten diese Produkte noch UV-Absorber, welche die Haare vor den schädlichen Strahlen schützen.

Wissenswertes über Haare

Haare zählen wie Fuß- und Fingernägel zu den Hautanhangsgebilden. Zu 80 % bestehen Haare aus Keratin, diese Eiweißverbindung verleiht ihnen die nötige Elastizität und Festigkeit. Wasser macht 15% der Gesamtmasse aus. Die restlichen 5% sind Pigmente, Mineralien, Fette. Erstere werden von Melanozyten produziert und verleihen den Haaren die individuelle Farbe. Durchschnittlich beträgt die Haardicke von Mitteleuropäern 0.06mm. Auch wachsen diese mit 2.5mm/Woche am zweitschnellsten, nur Barthaare wachsen mit 2,8mm/Woche noch schneller.

Außer an den Handinnenflächen, Fußsohlen, Brustwarzen und Lippen hat der Mensch am ganzen Körper Haare. Von den 5 Millionen befinden sich ca 90.000-150.000 auf dem Kopf. Blonde weisen die meisten Kopfhaare auf, gefolgt von Braunhaarigen, Schlusslicht bilden die Rothaarigen mit nur ca. 90.000. Männer haben schneller wachsende und dichtere Haare als Frauen, ihre hingegen befinden sich länger in der Wachstumsphase. Auch zwischen Ethnien gibt es große Unterschiede. So haben Europäerinnen mit über 120.000 Haaren den dichtesten Schopf. Asiatinnen 90.000 und Afrikanerinnen mit nur 81.000 die wenigsten Haare.

Quellen und weiterführende Links:

Raab, W.: Haarerkrankungen in der dermatologischen Praxis. Springer, Heidelberg 2012

Courtois M et al: Periodicity in the growth and shedding of hair. Br J Dermatol. 1996

Akutelles über Haarausfall und Haarerkrankungen auf https://www.haarerkrankungen.de/aktuelles/

Mehr über Haarausfall und Umwelteinflüsse auf https://www.aerzteblatt.de/archiv/17686/Haarausfall-und-Umwelteinfluesse

Kevin

Kevin

Willkommen auf meiner Webseite!
Ich behandle hier alles rund um das Thema Haare. Vor allem aber liegt mein Fokus auf Haarausfall und dessen Bildungsmöglichkeiten.
Kevin

Letzte Artikel von Kevin (Alle anzeigen)